Die Stille, die dem Advent eigen ist

Jetzt liegt sie wieder vor uns: die besinnliche Adventszeit, die schon lange nicht mehr das ist, was sie sein will und zu sein verspricht.

Die Vorbereitungen für das große Fest, das viele von uns an Weihnachten mit der Familie feiern, werden immer umfangreicher. Viel Energie ist notwendig, um die vielen Erwartungen zu erfüllen, die sich mit den Tagen um Weihnachten und den Jahreswechsel verbinden. Viel Zeit werden wir investieren müssen, um die Wünsche der Lieben, aber auch die eigenen Vorstellungen zu erfüllen. Da kann es leicht zu Verwirrungen und Stolpersteinen kommen, die dann dafür sorgen, dass wir am Ende in das Weihnachtsfest hineinfallen, und gar nicht mehr wirklich wahrnehmen, was uns da geschieht.

Nach der vorweihnachtlichen Hektik kommt die Feiertagserschöpfung, und wenn wir dann mit dem lauten Silvesterjubel wieder zu uns kommen, ist der Zauber der Heiligen Nacht verflogen und vielleicht sogar ihre heilsame Wirkung verpufft.

„. und wenn das fünfte Lichtlein brennt, hast du Weihnachten verpennt!“

Immer öfter, immer drängender stellt sich mir da die Frage nach dem, was wir brauchen und was uns wirklich weiterhelfen kann. Und ich fange an zu ahnen, dass auch hier viel Potential in dem liegt, was sich gegen alle gesellschaftliche Norm stellt. „Weniger ist mehr“, sagen wir – und sind doch unermüdlich dabei, das Wenige zu mehren. Ich erinnere mich noch an die wirklich kleinen Überraschungen, die unter den Weihnachtsbäumen meiner Kindheit lagen, und ich spüre heute noch die Wirkung eines „Dämmerstündchens“, das von der Lichtverschmutzung des Advent nichts wusste. Kleine Zeichen, die auf das Große hingewiesen haben, und dabei in ihrer bescheidenen Reduziertheit der Entfaltung des Großen den Weg gebahnt haben.

Advent ist die Zeit der Vorbereitung – und eben auch der inneren, der ganz persönlichen Vorbereitung – auf das, was unserem Leben Tiefe und Orientierung geben will.

Ich brauche die Stille, die dem Advent eigen ist, um mich dem Glanz der Heiligen Nacht langsam zu öffnen. Ich möchte (wieder) lernen, das Fest des Neubeginns zu feiern ohne den vorausgehenden Marathon der Totalerschöpfung. Und ich spüre, dass mir das nur dann gelingen kann, wenn ich mir erlaube, das Wesentliche in Stille sich entwickeln zu lassen. Da mag jeder und jede von uns einen ganz eigenen Weg suchen und finden. Vielleicht ist es das einigermaßen regelmäßige Erleben unseres Adventskalenders, vielleicht ist es ein einsames Lauschen in die Stille der Nacht oder ein Wahrnehmen des goldenen Schimmers einer einzigen Kerze zu vorgerückter Abendstunde.

 

Ich wünsche mir, die verhaltene Vorfreude neu entdecken zu können, die in der Zeit des Advent verborgen liegt, um mich dann der Botschaft der Heiligen Nacht zu öffnen.

Und Sie?

 

Uns allen eine erneuernde Adventszeit und ein zukunftweisendes Fest

Ihre

 

Birgit Reyher

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